Warum TTouch nicht einfach nur eine Massage-Technik ist

Das erste Mal hörte ich vor ein paar Jahren von den TTouches. In meiner Lieblingsserie "Heartland" behandelt Amy Fleming regelmässig schwierige Pferde mit diesen Griffen. Als ich es das erste Mal sah, war ich der festen Überzeugung hier wieder einem filmischen Hirngespinst begegnet zu sein. Skeptisch habe ich mich auf die Suche im Internet gemacht. Was ich schlussendlich darüber fand, lass und sah, war so viel mehr als ich erhofft hatte. Die TTouches gab es zu meiner Freude wirklich und sie schienen zu funktionieren. Bei der Lehre nach Linda Tellington Jones geht es darum jedes Tier zu achten. Harmonie, Vertrauen und Zusammenarbeit wird gross geschrieben. Durch die TTouches, die Körperbänder sowie die Führarbeit im Lernparcours wird das Nervensystem stimuliert und die Durchblutung angeregt. Jedes für sich ist schon ungemein nützlich, in der Kombination sind sie aber unschlagbar.

Bereits vor Jahren hatte ich einen Massage Kurs für Pferde besucht und damals hatte ich einen Teil der Touches gelernt ohne es zu wissen. Ganz intuitiv, hatte ich diese bereits die letzten Jahre bei meinen Reitbeteiligungen und seit einem Jahr auch bei meinem eigenen Pferd angewendet. Wer hat denn nicht schon alles die Ohren seines Pferdes massiert oder in beruhigenden kreisenden Bewegungen die Stirn gekrault? Um mir ein eigenes Bild zu machen, entschloss ich mich, mich für den Grundkurs TTouches einzuschreiben.

Wehmütig blicke ich nun auf das letzte Wochenende vom 05.- 06. Oktober 2019mzurück. Seit Monaten freute ich mich auf diese beiden Tage und nun sind sie bereits vorüber. Ich wurde nicht enttäuscht! Die Tage waren intensiv und vergingen wie im Flug.

Am Samstag wurden wir in Koblenz sehr herzlich von unserer Kursleitern Lily Merklin und ihrer Kollegin Sabine Boetius begrüßt. Mit 16 Teilnehmerinnen (ja ausschliesslich Frauen), waren wir eine grosse Gruppe und Lily wie Sabine hatten das ganze Wochenende alle Hände voll zu tun mit Fragen beantworten, helfen etc. und bewiesen dabei immer sehr viel Sachverstand und eine Engelsgeduld.

Ganz spannend fand ich jeweils die Selbstversuche. So durften wir die Touches immer zuerst an einer Mitteilnehmerin ausprobieren und selbst erhalten, bevor wir jeweils zu zweit ans Pferd gelassen wurden. So entwickelten wir nicht nur das nötige Feingefühl, sondern konnten die unmittelbare Wirkung am eigenen Körper fühlen. Ich hätte nie gedacht, dass so ein simpler Touch wie der Python-Heber Phyton Heber_92242361jpg auf mich eine solche Wirkung haben könnte. Mein „behandelter“ Arm fühlte sich länger an, und war es tatsächlich auch. Gleichzeitig hatte sich meine komplette Schulter entspannt. Die noch nicht behandelte Seite fühlte sich irgendwie nicht ganz zugehörig an. Einige liefen sogar mit deutlich sichtbarer Schiefe. Kaum war die zweite Hälfte ebenfalls behandelt, verschwand dieses Gefühl der Un-Zugehörigkeit wie auch die Schiefe wieder. Einfach unglaublich!

Wie auch am ersten Tag, begannen wir den zweiten Tag mit etwas Theorie. Das Hauptthema des zweiten Tages waren die Körperbänder und deren Anwendung. Dabei geht es nicht darum jemanden möglichst fest einzuwickeln. Im Gegenteil. Die lockeren Bänder sollen nicht stützen, sondern die Muskeln lediglich an ihre Funktion erinnern. Neugierig durften wir das Gehörte an uns ausprobieren. Rund um mich herum wurden die Teilnehmerinnen gewickelt und bandagiert was das Zeug hält. Es wurde ausprobiert, dann wieder ein paar Schritte gegangen und angepasst. Die Stimmung war ausgelassen und konzentriert. Hätte ich es nicht selbst erfahren, dann hätte ich nie für möglich gehalten, dass ein solch locker sitzendes Band so einen massgeblichen Effekt erzielen kann!

Nach dem Mittagessen durften wir das Gelernte an den Pferden ausprobieren. Bei unserem ausgesuchten Pferd fiel mir sofort auf, dass er, obwohl er äußerlich recht ruhig wirkte, doch immer einen leicht verkniffenen Zug um das Maul herum hatte. Das Massieren der Nüstern fand er ganz toll und konnte sich auch etwas entspannen. An den Ohren anfassen, ging dann aber wieder gar nicht. Auch als ich versuchte ein paar Python-Heber an den Beinen zu machen, wurde er unruhig, wechselte in den Rückwärtsgang und bekam gleich wieder ein verkniffenes Maul.
Wir entschlossen uns bei ihm mit einer „Kopfbandage“ zu beginnen und einmal zu schauen, wie er darauf reagieren würde. Kaum befestigt, wurde seine Unterlippe sichtlich entspannter und sein Kopf senkte sich. Vorsichtig ergänzten wir dann noch die Verbindungsbandage um ihn.

Danach liessen wir ihn erst mal ein paar Minuten stehen. Schon nach kurzer Zeit atmete er tief aus und sein Kopf senkte sich noch etwas mehr. Langsam tastete ich mich von der Stirn her zu seinen Ohren und siehe da, er zog den Kopf nicht mehr in die Höhe und schien die Berührung sogar genießen zu können. Auch der schnelle Python-Heber liess er sich gefallen. Und dies nur durch zwei simple Bandagen die ihm das Gefühl von Sicherheit gaben. Im Gesamten wirkte er viel ruhiger und entspannter und sein Maul war nicht mehr so verkniffen. Die sichtliche Verwandlung innerhalb dieser kurzen Zeit war unglaublich.

Mein Fazit nach diesem Wochenende? Dieser Kurs ist für jedermann zu empfehlen, welcher gerne einen pferdefreundlichen Umgang lernen möchte. Ebenso für solche, welche ihrem Pferd vor oder nach einem anstrengenden Training/Turnier etwas Gutes tun möchten oder einfach ihrem Pferd zu einem besseren Körpergefühl verhelfen will.

Mehr Informationen findet ihr auch unter: http://www.tellington-ttouch.ch/


Fotos von Leonie Hochrein, Danke schön!