Abtauchen in die Akademische Reitkunst

"Das Ziel der klassischen Schule ist es, das Pferd durch eine logische und psychologische Ausbildung zu gymnastizieren."  Kurt Albrecht: Dogmen der Reitkunst, 1994

Wer mich kennt und / oder meine Blogs schon länger verfolgt, weiß, dass ich sehr gerne meinen Horizont erweitere. Ich lasse mich nicht gerne in eine bestimmte Schublade stecken.
In meinem Pferdetraining versuche ich so viel Abwechslung und so pferdegerecht wie irgend möglich zu arbeiten. Und ich arbeite auch nicht mit beiden Pferden gleich. Logisch: Pony kann ich nicht reiten, da bin ich einfach zu schwer. Da aber gerade Flash sehr fordernd in der Arbeit ist und immer wieder nach Neuem verlangt, bin ich immer wieder auf der Suche nach Ideen was ich noch einbauen könnte um den Alltag mit ihr abwechslungsreich zu gestalten.

So kam es dass ich mich am letzten Wochenende an einem Kurs für Akademische Reitkunst mit Anna Eichinger wiederfand. Und dies obwohl ich damit bis dato eigentlich wenig bis gar nichts am Hut hatte. Eine liebe Freundin hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte sie zu begleiten und ich war sofort einverstanden. Irgendetwas lernt man schließlich immer.
Doch wer ist Anna Eichinger eigentlich? Ich muss ehrlich zugeben, dass ich sie vorher auch nicht kannte. Halt einfach auch, weil ich mich bisher mit der Akademische Reitkunst auch nicht groß befasst habe.
Annas Weg führte sie nach diversen Sackgassen schließlich zur Akademischen Reitkunst. 2013 absolvierte sie den Squire-Test in der Akademischen Reitkunst. Seit 2015 ist sie lizenzierte Bent Branderup Trainerin. Wohnhaft in Österreich führt sie ihr Weg doch einige Male pro Jahr in die Schweiz.

Der Zwei-Tages-Kurs fand auf dem Hof von Andrea und Markus Eschbach in Koblenz statt. Ein toller Ort mit ganz tollen Menschen mit ganz viel Pferdeverstand. Immer wieder komme ich gerne auf diesen Hof für Weiterbildungen. Dort sind Mensch und Pferd jeweils sehr gut aufgehoben und für das Leibliche Wohl zaubert der Koch immer mega leckere vegetarische Mittagessen. 
Wie immer war der Kurs gut organisiert. Mit Wolldecken eingedeckt durften wir uns aber auch jederzeit im Reiterstübchen mit warmen Getränken, Süssem und Nüssen stärken.

Die liebe Anna begann den Kurs damit, dass sie jeden aktiven Teilnehmer kurz fragte, wo in der Arbeit mit ihren Pferden sie sich zur Zeit befanden und welcher Wunsch oder bestimmtes Ziel sie hätten für das kommende Wochenende. Es waren acht aktive Teilnehmer und vom Beginner bis zum jahrelangen klassischen Reiter, war alles dabei. Auch die Pferde waren eine zusammengewürfelte Truppe. Nebst einer Connemara und Isländer Stute, waren diverse Warmblüter, PREs aber auch ein Mérens-Wallach dabei. Das Versprach somit ein sehr abwechslungsreiches Wochenende zu werden und wir Zuschauer wurden nicht enttäuscht.

In der ersten Einheit machten alle Bodenarbeit. Das gab Anna die Möglichkeit zu sehen, wo die Teilnehmer mit ihren Pferden standen. Die meisten der Teilnehmer waren oder sind bereits bei Annas Online-Kurs dabei. Trotzdem ist es natürlich noch einmal etwas ganz anderes die Teilnehmer und ihre Pferde live zu sehen.

Am Nachmittag entschieden sich dann die meisten zu reiten. Zu meinem Erstaunen war nicht ein konventioneller Sattel dabei und alle Gebisslos. Entweder ritten sie blank, mit Reitpad oder mit dem Filzsattel. Als Zaum diente das Cavesal.  
Hier haben Ausbinder, Schlaufzügel etc. nichts verloren. Im Gegenteil. Immer wieder betonte Anna dass Weniger mehr sei. Und es war erstaunlich zu sehen mit welch feinen, kaum sichtbaren Hilfen die Pferde geritten wurden. Keines versteckte sich hinter der Senkrechte oder verwarf sich im Genick. So sollte es sein!

Mit einem unglaublichen Gespür für Mensch und Pferd und einem noch besseren Augen konnte Anna ihre Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge überall so anbringen, dass diese auch sofort umgesetzt werden konnten.

Am zweiten Tag war bereits bei allen Teilnehmern eine merkliche Steigerung sichtbar. So etwas erlebt man sehr selten.

Grundsätzlich konnte ich, obwohl ich nur Zuschauer war, sehr viel bei diesem Kurs profitieren und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich diverse Elemente in die Arbeit mit Flash einbringen werde. Mal schauen wohin uns dies führt.

Impressionen zu Annas Arbeit finden sich auf ihrer Website: www.einfachreiten.com 


 Bild von Flash: Da vor allem sie von meiner Horizont-Erweiterung profitieren wird:-).