Buchrezension "Pferde sanft führen" von Mark Rashid

Dieses Buch sprang mich am Moxa-Kurs bei Stephanie an. Sie hatte einen Korb mit Büchern zum Verschenken und genau an diesem Buch lief ich 2 mal daran vorbei und es zog immer meinen Blick an. Beim dritten Mal nahm ich es mit:-).

Ich kannte diesen Mark Rashid bis dato noch gar nicht. So viele Pferdemänner und –Frauen gibt es mittlerweile. Wer soll da schon den Überblick behalten? Danach stand das Buch ein paar Monate bei mir im Regal bis ich es schließlich letzte Woche wieder zur Hand nahm und ich war und bin von der ersten Seite absolut fasziniert von seiner Art mit Pferden umzugehen. Und es wird definitiv nicht das letzte Buch sein, wo ihr hier etwas dazu finden werdet...

Doch hier zuerst kurz ein paar Fakten über Mark Rashid. In Colorado geboren, arbeitet er bereits seit 1978 mit Pferden. Seine Besonderheit liegt darin die jeweiligen Situation aus der Sicht des Pferdes zu sehen. Bei ihm geht es um "Softness" sowie die Kommunikation zwischen dem Pferd und dem Reiter. Seit einigen Jahren fließen auch sehr viele Aspekte des Aikido in seine Methode mit hinein. Daraus hat sich schließlich sein Aibado entwickelt. Lässt es seine Zeit zu, so arbeitet er nach wie vor gerne auf benachbarten Ranches als Cowboy mit. Daneben musiziert er oft und gerne mit seinen Freunden und hat auch schon CDS veröffentlicht. Country versteht sich:-).

Wenn man den Titel des Buches liest, so könnte man meinen es gehe darum lediglich ums Führen des Pferdes. Manch einer wird nun die Augen verdrehen und sich sagen, dass er ja ohne Probleme sein Pferd von A nach B führen kann. Schön, dann seid ihr schon weiter als das was ich oft in anderen Ställen mitbekomme.
Aber in diesem Buch geht es generell um die Führung. Anders als andere Trainer vertritt Mark nicht die Meinung dass man sich ein Pferd unterordnen müsse. In diesem Buch versucht er zu vermitteln dass wir oft einfach unklar unseren Pferden gegenüber sind. Sei dies durch zu viel oder zu wenig.

Mark vertritt die Meinung: weniger ist mehr. So versucht er möglichst ohne Hilfsmittel zu arbeiten. Er hat während Jahren diverse Hilfsmittel ausprobiert und angewendet. Heute spricht er dabei von den "verlorenen" Jahren. Dies eigentlich nur deshalb weil der Weg mit Hilfsmittel relativ leicht sein kann aber deshalb nicht notwendigerweise einfach sein muss. Ein Beispiel hierzu: Man kann mit einer Peitsche oder einem Stock mit Fähnchen ein Pferd in eine Richtung bewegen. Das wäre die leichte Lösung. Die einfache Lösung dabei wäre aber einfach seine Körpersprache sowie seine Energie zu verwenden und dies ohne Hilfsmittel. Ihr seht worauf ich hinaus will?

Ein weiterer Aspekt ist die Möglichkeit mit unseren Pferden mittels Bilder zu kommunizieren. Hierzu findet ihr unter https://www.creativation.ch/blog/die-macht-der-gedanken einen Selbstversuch und wie gut dies klappt. Viele "Probleme" können ganz einfach geklärt werden indem man den Pferden bewusst ein Bild sendet wie die Lösung aussehen sollte. Versucht es doch einmal selber aus, ihr werdet erstaunt sein.

Eine Aussage aus diesem Buch blieb mir besonders in Erinnerung. Und es ist als wäre ein fehlendes Puzzle-Teil an die richtige Stelle gerückt: "Für mich hat das Ziel, ein Pferdemensch zu werden, viel weniger mit Werkzeugen und Hilfen zu tun als mit der Verfeinerung des Selbst."
In vielen Berichten direkt von den Schülern kann man im Buch nachvollziehen, wie Marks Schüler dies selbst erfahren durften. Wie zeigte sich die "Softness" bei ihnen und ihrer Arbeit mit ihren Pferden? Wie konnten sie es umsetzen? Die vielen Geschichten aus der Praxis berühren und regen zum Nachdenken an.

Ein weiterer Satz aus diesem Buch blieb ebenfalls an mir haften: "Pferde mögen es nicht, wenn man an ihnen zieht." Gemäss Mark spielt es dabei keine Rolle ob das Ziehen vom Boden aus geschieht oder im Sattel.
Warum sich gerade dieser Satz bei mir eingebrannt hat? Nun, ich sehe so oft Pferdehalter, welche unaufmerksam ihre Pferde hinter sich abschleppen. Sei es von der Weide, zum Putzplatz, unterwegs im Gelände. Neuerdings wird dabei auch noch telefoniert oder auf dem Handy getippt. Und dann wundern sie sich, warum das Pferd plötzlich stehen bleibt oder sich erschrickt oder sich sogar losreißt. Nicht nur dass sich daraus gefährliche Situationen ergeben können, es ist schlicht und einfach auch respektlos dem Pferd gegenüber. Oder verabredet ihr euch gerne mit Freunden, welche dann während der ganzen Zeit nur auf dem Handy tippen, statt mit der Aufmerksamkeit bei euch zu sein?
Ich hatte mich nie dafür gehalten, dass ich mein Pferd hinter mir herziehe. Und doch habe ich mich auch schon in solchen Situationen ertappt. Je braver das Pferd umso öfter fällt man (oder frau) in ein solches Muster. Ein Punkt worin ich mich ganz klar mehr an der Nase nehmen werde und solche Situationen möglichst zu vermeiden suche.  

Dieses Buch soll dazu animieren wirklich hinzuhören und achtsamer mit unseren Pferden umzugehen. Weniger ist mehr. Und wenn wir unseren Geist so ruhig wie Wasser werden lassen, werden wir empfänglicher. Sie haben uns oft so viel zu sagen, nur hören wir viel zu wenig zu...